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Religion in Bhutan

Spiritualität ist ein wichtiger Teil in der Gesellschaft in Bhutan. Bhutan ist einer der letzten praktizierenden Orte des Vajrayana-Buddhismus (Lehre des Mittleren Weges), eine geistige Ausrichtung des Mahayana-Buddhismus und eine der tiefsinnigsten Denkschulen der Welt, die auf tibetanisches Erbe vermischt mit Geisterglauben zurückblickt. Spektakuläre Klöster, zum Teil über hohen Abgründen erbaut; Gebetsfahnen auf Bergkämmen, in ewigen Winden flatternd; in Rot gehüllte Mönche – all dies verleiht dem Königreich eine besondere Aura. Der Vajrayana-Buddhismus ist Staatsreligion und die Mehrheit der Bevölkerung von Bhutan bekennt sich dazu, aber auch der Hinduismus findet sich als Glaubensform wieder.

Tausende von Stupas, Chorten und über 2.000 Klöster gibt es in dem kleinen Königreich Bhutan und diese spiegeln den starken Glauben der Bevölkerung wieder. Diese hat aus der Jahrhundertealten Tradition eine reichhaltige, faszinierende Kultur und eine einzigartige Identität entwickelt. Die stete Verbindung zur Vergangenheit ist ein "Muss". Viele örtliche religiöse Feste (Tsechus) sowie die Bauweise der Chorten erinnern die Menschen an ihre Vergangenheit. Ein besonderes Kulturgut und spirituelles Gebäude stellt das Kloster Taktshang, auch Tigernest Kloster genannt, dar.


Buddhismus allgemein

Bodhisattvas

Sie sind von Barmherzigkeit und Weisheit durchdrungen und ihr ganzes Verlangen richtet sich auf das Erlangen der Erleuchtung. Häufig werden sie auch als Buddhas bezeichnet.


Wiedergeburt

Die Wiedergeburt ist ein Kreislauf (Samsara), der erst mit dem Erlangen der Erleuchtung durchbrochen wird. Die Form der Wiedergeburt hängt von den vorangegangen Verdiensten und Schulden (Karma) ab. Geistig bereits weit fortgeschrittene Menschen können sich sogar an ihre vorherigen Formen erinnern und zukünftige voraussehen. Der letzte Dalai Lama gab zum Beispiel bekannt, wo seine neue Reinkarnation (der jetzige Dalai Lama) gefunden werden kann.


Mandala (Sanskrit)

Ein Mandala bezeichnet ein quadratisches oder kreisförmiges Gebilde, das um ein Zentrum herum angelegt wird. Ursprünglich wurden Mandalas im religiösen Kontext verwendet. Vor allem im Buddhismus und Hinduismus werden Mandalas noch für religiöse Zwecke genutzt und finden als bedeutende Symbole bei vielen Ritualen Anwendung. Im Vajrayana Buddhismus, der in Bhutan praktiziert wird, sind Mandalas die zweidimensionale Form von dreidimensionalen geistigen Vorstellungen. Die Muster stellen die Ansicht auf einen Palast aus der Vogelperspektive dar. In dem Palast befinden sich verschiedene Buddhas. Das Anfertigen von Mandalas soll zu tiefer geistiger Konzentration führen. Eine Grenze zwischen Körper- Raumerfüllung und Identifikation wird überschritten. Somit löst man sich vom eigenen "Ich". Für das Anfertigen von Sandmandalas werden teilweise Wochen an Arbeit investiert. Umso wichtiger ist es, diese nach Vollendung wieder wegzuwischen. Dadurch wird die Vergänglichkeit des Lebens aufgezeigt und eine Entbindung der materiellen Welt angestrebt.


Mantra

Laute und Silben, die den ganzen Körper durchströmen.


Mudras

Bestimmte rituelle Haltungen der Finger und Hände während der Meditation.


Ritualgegenstände

  • Amulette (gefaltete Zettel mit Segenswünschen)
  • Farben (Blau =Himmel, Weiß: Äther, Gelb= Erde, Rot= Feuer, Grün= Wasser)
  • Gebetskreuz (108 Kugeln)
  • Gebetsmühlen
  • Gebetsfahnen (oft mit Windpferd)
  • Manimauern (eingehauene Mantras)
  • Sundgdü (rote Bänder die von Lamas gesegnet wurden, werden um den Hals getragen)
  • Thangka (religiöses Gemälde)
  • Torma (Speiseopfer z.B. Opferkuchen)
  • Tsha tsha (kleine Tontafeln und Lemfiguren)
  • Vajra und Glocke (das weibliche und männliche Prinzip)

Die drei Juwelen

  • Buddha
  • Dharma (die Lehre)
  • Sanga (die Gemeinschaft der Gläubigen/ Gemeinschaft der Mönche)

Die sechs Tugenden

Freigiebigkeit, Sittlichkeit, Nachsicht, Willenskraft, Meditation, Weisheit

Die zehn Untugenden

Töten, Stehlen, moralische Unreinheit, Lüge, verschleiernde Rede, Unglaubwürdigkeit, Verleumdung, Habgier, Schädigung, Folgen irriger Ideologien


Die sechs Symbole eines langen Lebens

Alter Mann, Muschel, Fluss, Kranich, Rehe, Pflanzen
Jedes dieser Symbole hat eine Bedeutung, die aus dem buddhistischen Sutra stammt. Bilder mit den sechs Symbolen stellen ein Leben in Zufriedenheit, Frieden und natürlichen Reichtum dar. Die Bilder der sechs Symbole eines langen Lebens stammen ursprünglich aus China, kommen aber häufig in bhutanischer Kunst vor. Der alte Mann ist Shou-lao, der chinesische Gott der Langlebigkeit. Der Baum der Langlebigkeit unter dem der alte Mann sitzt ist ein Pfirsichbaum, der auch für Heilmittel verwendet wird. Der Fels auf dem der alte Mann sitzt, ist in Muschelform dargestellt. Aus dem Felsen entspringt der Fluss des langen Lebens. Das klare Wasser der Untersterblichkeit wird in einer Vase aufbewahrt. Die Kraniche sind alte chinesische Symbole für ein langes Leben und als Pärchen symbolisieren sie Ehrlichkeit und Glück. Rehe sind nach diesem Glauben die einzigen Tiere, die die Pflanze der Unsterblichkeit aufspüren können.


Sonne/Mond

Die Sonne ist das Symbol der Weisheit, der Mond das Symbol des Mitgefühls. Deshalb werden diese Zeichen häufig auf Türen oder Stupas gefunden.

Sechs Ornamente

Garuda, Naga, Makara, Knabe, Einhorn, Elefant

Sieben Arten von Opfern

Butterlampen als Lichtopfer, Figuren aus Butter und Mehl (Thorma) als Speiseopfer, Räucherstäbchen als Rauchopfer, Blumen als schönes Opfer, Trinkwasser, Wasser zur Körperreinigung, Wasser zur Fußwaschung.
Oft finden sich auf Altären sieben Schalen voll Wasser. Diese stellen symbolisch die sieben verschiedenen Arten der Opfer dar.

Spiegel

Der Spiegel ist das Symbol der Wahrheit, denn er zeigt die Dinge wie sie wirklich sind.

Windpferd, Lungta

Die Lehre soll in alle Richtungen verbreitet werden, zum Wohl aller Lebewesen. Häufig findet sich das Windpferd auf Gebetsfahnen und ist mit dem Juwel der Lehre gesattelt. Zudem ist es von den Tieren der vier Himmelsrichtungen umgeben.


Das Rad des Lebens

Der Vorgang der Wiedergeburt wird als Samsara bezeichnet. Die Seele geht nach dem Tod in einen neuen Körper über und verbringt ein weiteres Leben in der Welt des Leidens. Dieser Kreislauf wird durch das Rad des Lebens symbolisiert und erst durch die Erleuchtung unterbrochen.
Häufig kann das Rad des Lebens an Eingangswänden zu Versammlungsräumen in Klöstern oder auf Thangkas gefunden werden. Gehalten wird das Rad von Yama, dem Todesgott. In der Mitte befinden sich drei Tiere mit verschiedener symbolischer Bedeutung: Schlange (Hass), Hahn (Gier) und Schwein (Dummheit/Ignoranz), die sich gegenseitig an den Schwänzen festhalten. Diese drei Übel verhindern die Erkenntnis und gehören zwangsläufig zusammen. 

Der äußerste Ring des Rades ist in 12 Sektoren unterteilt. Diese beginnen auf 12 Uhr und symbolisieren im Uhrzeigersinn die Verkettung der Leiden:

  • Blinder, alter Mensch: Unwissenheit, Unfähigkeit das Ich und die äußere Welt als Illusion zu sehen.
  • Töpfer: Jeder ist für sein Schicksal selbst verantwortlich (Karma).
  • Affe: Verhinderung des höheren Bewusstseins wegen Unfähigkeit seinen eigenen Geist zu kontrollieren.
  • Boot mit drei Männern: Der Körper ist das Fahrzeug, das den Geist durch das Leben transportiert.
  • Haus mit einer Tür und fünf Fenstern: Symbol für das Denkvermögen und die fünf Sinne.
  • Liebespaar: Kontakt und Berührung mit den Sinnesobjekten.
  • Mann mit Pfeil im Auge: Die Macht der Gefühle ist so stark, dass wir geblendet werden können. Wenn man blind vor Begierde ist, kann man die Wahrheit nicht sehen.
  • Mann, der Wein trinkt: Die Begierde ist wie ein Durst, der nicht gestillt werden kann, man verlangt nach immer mehr.
  • Früchte sammelnder Mann: Man ist abhängig von den Glücksgefühlen, an die man sich klammert.
  • Schwangere Frau: Ein neues Karma wird geschaffen.
  • Gebärende: Ein neues Leben kommt zur Welt, das aber auch bald ein alter Mann sein wird.
  • Alter Mann: Der alte Mann läuft mit seinen Sünden zum See, der den Tod darstellt. Dort erwartet er seine nächste Wiedergeburt. Der Kreislauf ist hiermit geschlossen.

Die sechs Daseinsbereiche

Die Lebewesen werden abhängig vom Karma in sechs Daseinsbereiche hineingeboren:
Potential zur Erleuchtung: Götter, Halbgötter, Menschen
Sünder: Tiere, Hungergeister, Höllenbewohner


Buddhismus in Bhutan

 

Zweidrittel der Bevölkerung in Bhutan gehören dem Vajrayana Buddhismus an. Dieser ist eine Unterform des Mahayana Buddhismus.


Mahayana (das Große Fahrzeug)

Hier wird versucht die eigene Erleuchtung zu erlangen, aber auch anderen zum Erreichen der Erleuchtung zu helfen. Deshalb spielt das Mitgefühl eine große Rolle. Dazu wird Sutra verwendet.


Vajrayana (Vajra = Donnerkeil)

Hierbei geht es um die schelle Erlangung der eigenen Erleuchtung und die Hilfe zur Erleuchtung anderer. Dazu werden verschiedene Yogamethoden angewendet, die im Körper Energien mobilisieren. Es werden Sutra du Tantra verwendet. Ein Meister des Tantra ist durch eine Kette aus Totenschädeln gekennzeichnet.
Der Vajra ist ein Gegenstand, der sowohl als Waffe, als auch als Zepter Gebrauch fand. Bis heute wird er bei Darstellungen von Gottheiten verwendet. Dabei gibt es eine drei- eine fünf- und eine neunspeichige Version.


Die Acht Glückssymbole Bhutans

Der Legende nach erhielt Buddha nach seiner Erleuchtung von den himmlischen Wesen die acht Glückssymbole als Geschenke. Diese sollten die Lehre des Erleuchteten versinnbildlichen. Heute noch gelten diese als Glückssymbole des Buddhismus. Sie werden auf den Altären von Tempeln als Opfergabe aufgestellt und sind auch im Alltag vieler Bhutaner vorhanden. Nicht nur spirituelles Glück, sondern auch weltliche Freude sollen von den Glückssymbolen kommen. So werden die Symbole auch auf den Banknoten von Bhutan abgebildet.

1.)    Rad der Lehre (Dharmachakra)

Hierbei handelt es sich um das Hauptsymbol des Buddhismus. Die runde Form symbolisiert die Vollkommenheit und Vollständigkeit der Buddhistischen Lehre. Der Achtfache Pfad wird durch acht Speichen dargestellt. Diese symbolisieren den Weg zum Heil, der von den Gläubigen beschritten werden muss. Außerdem ist das Rad ein Symbol für die Sonne, die alle Lebewesen berührt und alles erwärmt.

2.)    Der Schirm (Chattra)

Der Schirm symbolisiert den Schutz durch die Lehre Buddhas. Dabei stellt seine Spitze den Sieg über jedes Hindernis dar. In Form des Ehrenschirms wird auch ein Schutz vor den drei geistigen Giften (Gier, Hass, Verblendung) gewährt. Außerdem stellt der Schirm ein Zeichen der königlichen Würde und Macht dar und gilt somit als Statussymbol. Im Alltag der Menschen soll er vor schädlichen Einflüssen bewahren und vor Krankheiten schützen.

3.)    Goldene Fische

Die Fische symbolisieren den Ausweg aus dem Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Mit Hilfe der Lehre durchschwimmen sie den Ozean der Wiedergeburt. Außerdem stehen sie für Glück, Reichtum und Fruchtbarkeit.

4.)    Rechtsdrehendes weißes Muschelhorn

Muschelhörner, die sich rechtsherum drehen, sind nur schwer zu finden. Durch den Klang und die Abbildung diese Muschelhorns, soll die Lehre von Buddha und von seinem Ruhm in alle Himmelsrichtungen verbreitet werden. Zudem stellt das Muschelhorn Souveränität, Autorität und Macht dar und sein Klang vertreibt böse Geister und wendet Naturkatastrophen ab.

5.)    Lotusblüte

Die Blüte steht für Reinheit und Klarheit, da durch den Lotuseffekt jeder Schmutz von ihr abperlt. Zudem symbolisiert sie die Unbeflecktheit der Lehre, das geistige Wachstum und die Geburt Buddhas.

6.)    Endloser Knoten

Der Knoten hat keinen Anfang und kein Ende. Dadurch wird Unendlichkeit, Einfachheit und Harmonie symbolisiert. Er stellt das Mitleid und die unendliche Weisheit Buddhas dar.

7.)    Schatzvase (Kalasha)

Die Vase kann zwei verschiedene Dinge beinhalten. Entweder sie enthält Lebenswasser, also das Symbol des ewigen Lebens, oder sie enthält Juwelen. Eine Ermahnung an die Gläubigen, diese nicht zu erwerben. Für langes Leben, Wachstum und Reichtum steht die Vase im weltlichen Bereich.

8.)    Siegesbanner

Das Siegesbanner ist das Zeichen der Erleuchtung und der Sieg der Lehre über die Verdunkelung. Es soll zeigen, dass alle weltlichen Dinge von den Gläubigen hinter sich gelassen werden müssen.


Die vier Wächterkönige

Die vier Wächterkönige sind die Beschützer der vier Himmelsrichtungen und finden sich an fast jedem Tempel- oder Klostereingang in Bhutan. Sie tragen kunstvoll gefertigte Rüstungen und werden entweder stehend oder sitzend abgebildet.

  • Dhritarashtra: Der König des Ostens wird mit weißer Hautfarbe dargestellt und spielt eine Laute.
  • Virupaksha: Der König des Westens wird mit roter Hautfarbe dargestellt. Er hält das Modell eines Stupas in seiner rechten und eine Schlange in seiner linken Hand.
  • Vaishravana: Der König des Nordens wird mit gelber Haut abgebildet und ist der König des Geldes. In seiner rechten Hand hält er ein Friedensbanner und in seiner Linken einen Mungo, der ihm Juwelen in die Hand spuckt.
  • Virudhaka: Der König des Südens wird mit blauer Haut abgebildet und trägt ein Schwert und eine Scheide.

Stupas und Klöster

Stupa (Tschörten/ Chörten)
Diese Denkmäler sind in den Himalajaländern Symbole für Buddha und den Buddhismus und damit heilig. Das Sanskrit Wort "stup" bedeutet aufhäufen. Denn früher wurde der Erdhügel, der über dem Grab einer Person errichtet wurde, als Stupa bezeichnet. Der Stupa oder Chorten dient somit oft zur Erinnerung an Verstorbene und stellt ein Behältnis für Opfergaben dar. Sie sollten immer im Uhrzeigersinn umrundet werden, als Zeichen der Ehrerbietung. Über viele Jahre hinweg entwickelten sich die Stupas weiter. 

Heute bestehen sie aus einer quadratischen Plattform, einer Kuppel darüber, einer Kammer für Reliquien und einer Spitze, die mit einem Juwel oder einer Krone abgeschlossen wird. Durch den Aufbau werden auch die vier Elemente des Buddhismus symbolisiert:

  • Basis = Sangha
  • Kugel= Dharma
  • Reliquienkammer und Spitze= Buddha
  • Juwel= Nirvana

Kloster

Gompa (Kloster) = Ort der Einsamkeit

Die Klöster bestehen aus:

  • Kapelle (Lakhang) mit der Gottheit oder wichtigsten Person des Klosters
  • Tempel mit Schutzgottheiten (Gonkhang)
  • Versammlungshalle (Dukhang), in der meditiert und gegessen wird, zentraler Raum
  • Klosterküche
  • Mönchszellen

Tsa Tsa

Bei Tsa-Tsas handelt es sich um kleine Votiv-Tafeln, die häufig im Mahayana- Buddhismus vorkommen und als Opfergabe Verwendung finden. Durch ihre Herstellung soll der Weg zur Buddhaschaft verkürzt werden. Die Figuren stellen Buddhas oder Götter dar. Zu finden sind sie in heiligen Höhlen, Plätzen und in Stupas. Die Tsa-Tsas werden häufig zu besonderen Ereignissen wie Geburtstagen oder zum Besuch einer hochrangigen Persönlichkeit hergestellt. Dazu werden pflanzliche Fasern, Staub, Lehm und Wasser vermengt und in eine Form gepresst. Manchmal wird auch Asche von verstorbenen Persönlichkeiten hinzugefügt. Wenn die Masse getrocknet ist, wird sie während der Rezitation eines Mantras noch bemalt und mit Mustern graviert.

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Weiterführende Literatur zum Buddhismus

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